Singvogelfang als erhaltungswürdiges Weltkulturerbe?
2010-03-18
UNESCO setzt anachronistische Tierquälerei Singvogelfang auf Liste von Kulturerbe
Vergangene Woche wurde von der UNESCO, der Organisation der Vereinten
Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, die erste Liste für
"Immaterielles Kulturerbe in Österreich" präsentiert. Insgesamt 18
Traditionen und Brauchtümer wurden darin aufgenommen, weitere drei -
die klassische Reitkunst, die Falknerei und die so genannte „Imster
Fasnacht“ inklusive Schelmenlauf - wurden für die internationale Liste
des UNESCO-Welterbes nominiert.
Auf der so genannten nationalen Liste wurde dabei auch die im
Salzkammergut verbreitete Tradition des Singvogelfangs präsentiert. Ein
23köpfiger Fachbeirat der österreichischen UNESCO-Kommission hat mit
nur einer Enthaltung der Aufnahme der umstrittenen Tierqualtradition in
die Liste der erhaltungswürdigen Gebräuche und Traditionen mit
überwältigender Mehrheit zugestimmt. Auch dem Fachbeirat angehörende
Zoologen bzw. Biologen haben die gute Gelegenheit verabsäumt, ihre
Kritik an der zweifelhaften Nominierung zum Ausdruck zu bringen
geschweige denn die Nominierung der tierquälerischen Aktivität zu
verhindern, wozu das Veto eines einzigen Beiratsmitglieds gereicht
hätte.
Zum „immateriellen Kulturerbe“ der UNESCO-Liste zählen Fertigkeiten,
Praktiken, und Ausdrucksformen bzw. Traditionen und Bräuche, die als
Bestandteil des kulturellen Erbes verstanden werden. Es handelt sich um
eine Art (österreichische) Kulturdatenbank, was die Aufnahme einer
ethisch, tierschutzrechtlich und tierschutzpolitisch so umstrittenen
und fragwürdigen Aktivität umso unverständlicher und unangebrachter
erscheinen lässt.
Theoretisch - räumen Experten ein- ist es möglich, dass der
Singvogelfang eines Tages wieder von der Liste des UNESCO-Kulturerbes
gestrichen wird.
Beim Vogelfang, wie er im Salzkammergut praktiziert wird, werden
Gimpel, Zeisig, Kreuzschnabel und Stieglitz zunächst mit Netzen und
Fallen gefangen, um sie dann in winzigen Käfigen in der Adventszeit
öffentlich auszustellen und sie im Frühjahr, sofern sie noch am Leben
sind, wieder frei zu lassen. Der Vogelfang dient keinerlei
wirtschaftlichen Interessen, sondern der Freude am Fangen wilder Tiere
bzw. einer anachronistischen Traditionspflege.
Nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) dürfen die Tiere seit 2007 auch wieder ausgestellt werden.
Für Schlagzeilen sorgten auch immer wieder gewalttätige Übergriffe von Vogelfängern auf TierschützerInnen.
Bei einer 2005 im oberösterreichischen Radio Live übertragenen
Diskussion rastete ein Vogelfänger gemeingefährlich aus. Als ein
60-jähriger Tierschutz-Aktivist und Vogelfangkritiker das Wort ergriff,
zog der hinter diesem sitzende Vogelfänger ein Messer und war drauf und
dran, den Tierrechtsaktivisten am Mikrophon anzugreifen. Die daneben
sitzende Ehefrau des wildgewordenen Vogelfängers bemerkte aber zum
Glück rechtzeitig die mörderischen Absichten ihres Mannes und konnte
ihm das Messer entwinden.
Erst 2008 ist ein Tierschützer im Salzkammergut von einem Vogelfänger krankenhausreif geschlagen worden.
Die Tierrechtspartei Mensch-Umwelt-Tierschutz ist von der Nominierung
der UNESCO entsetzt. Es ist ein verheerendes Signal, eine überkommene,
tierethisch höchst problematische „Tradition“ wie den Singvogelfang zu
glorifizieren, indem man ihn einer Liste globalen kulturellen Erbes
einreiht. Dies wird durchaus auch zur längerfristigen Einzementierung
der jetzigen Gesetzeslage, die ein Fangen und Ausstellen der sensiblen
Singvögel ermöglicht, beitragen, Gesetzesreformen im Sinne der
betroffenen Tiere längerfristig verhindern und Wasser auf die Mühlen
jener Lobbyisten und ewiggestrigen „Traditionsverbände“ sein, denen
jede weitere gesetzliche Reglementierung schon seit langem ein Dorn im
Auge war.
Bitte unterstützt unbedingt unsere neu ins Leben gerufene
Facebook-Gruppe "Singvogelfang ist kein Weltkulturerbe!" gegen die
Verherrlichung des tierquälerischen Singvogelfangs als "Weltkulturerbe"
durch die UNESCO.
Einfach "Singvogelfang" oder "Singvogelfang ist kein Weltkulturerbe!"
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hochaktuelle Protestseite!

