Tierschutzproblem Lebendtiergeschenke zu Ostern
2010-03-28
Tierheim-Kaninchen statt unüberlegten Überraschungs-Osterhasen
Der Osterhase und seine AssistentInnen (in Gestalt der Geschenke
besorgenden Eltern) bringen zu Ostern bei weitem nicht nur Süßigkeiten,
Ostereier und Schokolade-Osterhasen. Viel zu oft werden auch lebende
Osterhasen verschenkt. Im Zuge der ersten Begeisterung vergessen viele
aber, dass die Haltung der Tiere auch viel Zeit in Anspruch nimmt und
eine Menge Geld erfordert - und vor allem viel aktive Zuwendung und
Fürsorge für die Tiere. Zudem zählen Kaninchen zu den anspruchsvollsten
unter den Haustier-Nagern.
Die Klärung der Frage, ob die Freude an dem Tier und die
Fürsorgebereitschaft auch ein bis zu 13 Jahre langes Kaninchenleben
anhalten ist vor der Anschaffung gründlich, nüchtern und realistisch zu
durchdenken. Und statt zu Ostern durch den Kauf eines Kaninchens die
Haustierzuchtindustrie anzukurbeln, sollte man lieber einem der
zahllosen Tiere aus einem Tierheim ein zuhause geben. Insbesondere
einige Wochen nach dem Osterhype und spätestens in den Sommerferien
füllen die zu Ostern leichtfertig verschenkten und wenig später ebenso
kaltschnäuzig entsorgten Tiere die Tierschutzhäuser und warten auf ein
gutes Plätzchen.
Wichtig ist auch, vor dem Kauf abzuklären, ob ein Familienmitglied
allergisch auf Kaninchen reagiert. Bei manchen Tierheimen kann man auch
Fellproben bekommen, um austesten zu lassen, ob man allergisch ist.
Natürlich ist das auch in Allergieambulatorien möglich.
Außerdem brauchen Kaninchen – falls man nicht die Möglichkeit hat, sie
in einem geräumigen Innen- oder noch besser Außengehege zu halten, was
ideal ist - einen großen Käfig und viel Auslaufmöglichkeit, am besten
im Grünen.
Was die Ernährung betrifft, sollte man die Finger von den im Handel
erhältlichen Getreidemischungen lassen. Da der Kaninchendarm Getreide
in größeren Mengen nicht verdauen kann, füttert man am besten
ausschließlich oder jedenfalls überwiegend Rohkost beziehungsweise
Frischfutter und Heu. Zudem können sich die ständig nachwachsenden
Zähne der Tiere an den Körnern nicht ausreichend abnutzen.
Die Hauptnahrung sollte aus Frischfutter wie z.B. Löwenzahn,
Spitzwegerich, ungespritzten Salaten, Petersilie und anderen
Küchenkräutern, Karotten und Karottengrün, Kohlrabi(blättern),
Staudensellerie und frischem Obst bestehen. Der Anteil von frischem
Gemüse und Kräutern sollte aber überwiegen. Nicht geeignet hingegen
sind unter anderem rohe Kartoffel, Fisolen, Melanzani.
Enttäuscht sollten die Kinder und sonstigen HalterInnen auch nicht
sein, wenn die Kaninchen anfangs etwas zurückhaltend sind und eine
Eingewöhnungsphase brauchen. Denn das Kaninchen ist nicht das
klassische Kuscheltier, für das es viele Menschen halten. Kaninchen
haben einen starken Bewegungsdrang, können aus reiner Freude an der
Bewegung wild herum rasen und Haken schlagen.
Wenn Kaninchen aggressiv werden bzw. sich bedroht fühlen, kann der Betreuer auch (leicht) verletzt werden.
Da die Nager ausgesprochen soziale Tiere sind, sollten sie auf keinen
Fall alleine, mindestens zu zweit gehalten werden. Dabei ist aber zu
beachten, dass sich nicht alle Tiere von Anfang an automatisch
vertragen. Manch eine Konstellation an Individuen kann überhaupt nicht
aneinander zu gewöhnen sein.
Oft werden auch die Kosten für Futter oder Impfungen von Kaninchen
unterschätzt. Unbedingter Klärung bedarf auch die Frage, wer sich im
Urlaub um die Nager kümmert.
Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kaninchens beträgt bei
richtiger Pflege um die zehn Jahre, unter Umständen sogar bis zu 13
Jahre können die Methusalems unter den Nagern erreichen. Auch deshalb
sollte man die Anschaffung eines Kaninchens besser drei Mal überlegen.
Für einen spontanen Kauf als vermeintlich originelles Ostergeschenk vor
den in Kürze bevorstehenden Osterfeiertagen sind sie denkbar ungeeignet.

