Martinstag 11. November: Vorsicht vor versteckter Tierquälerei hinter dem Martiniganslbraten
2011-11-10
Warum man gerade zu Martini ganz genau nachfragen sollte
Wie
jedes Jahr findet auch heuer um den 11. November traditionell das
Martinifest und als sein kulinarischer Ableger das
„Martiniganslessen“ statt.
Während heimische
Supermärkte sich vom Verkauf von tierquälerischem
Stopfgänsefleisch verabschiedet haben, bleibt dieses
„Abfallprodukt“ der grausamen Gänsestopfmast die Grundlage
vieler „Ganslessen“ in der Gastronomie.
Die ehemals
"glückliche" Freiland-Gans vom Nachbarbauern kommt ja
schon seit langem nicht mehr auf den Teller. Es gibt zwar in
Österreich praktisch keine Massentierhaltungen von Gänsen,
wie man sie von anderen Tierarten kennt.
Doch
nur ein Bruchteil des Bedarfs österreichischer KonsumentInnen
kann von heimischen Betrieben gedeckt werden. Der Rest wird
importiert, zumeist aus Frankreich, Ungarn, Bulgarien, oder Polen.
Und dort sind die Gänse noch wesentlich weniger durch
Tierschutzgesetze und Haltungspraxis geschützt, als hier zu
Lande.
Brutale
Behandlungsmethoden wie das Lebendrupfen zur Daunengewinnung oder das
Stopfen zur Gänsestopflebergewinnung und die Haltung in
Käfigbatterien sind an der Tagesordnung.
Bis
zu 90 Prozent des Fleisches der Gänse und Enten, die bei der
„foie-gras“-Gewinnung, also bei der Produktion der berüchtigten
Gänsestopfleber, anfallen, werden nach Österreich und nach
Deutschland exportiert. Hier landen sie dann häufig als
„Martinigansl“ auf den Tellern der Gastronomie.
Den
Abnehmern der unter Hochdruck geschwürartig hochgemästeten
Stopflebern – v.a. Frankreich und Japan – ist das
zurückbleibende, ebenfalls verfettete Fleisch zu minderwertig –
tonnenweise wird es zu Billigpreisen an österreichische
Gastronomen verscherbelt.
Durch dieses Preisdumping wird es
für Produzenten mit vergleichsweise tierfreundlichen
Produktionsmethoden zunehmend schwierig, sich am Markt gegen diese
tierverachtende „Schmutzkonkurrenz“ zu behaupten. Ein allgemeines
Schlechterwerden der Produktionsstandards ist zu befürchten,
wenn weiterhin schwache Tierschutzgesetze und katastrophale
Haltungsmethoden anderer EU-Länder sowie skrupellose heimische
Fleisch-Großhändler das bisher in Österreich im
Geflügelschutz erreichte unterminieren.
Die
TIERSCHUTZVEREINIGUNG –
Bärenstark für Tierrechte
kritisiert aus Anlass des morgigen Martinstages und der
bevorstehenden „Martiniganslzeit“ vehement die mangelnde
Herkunftskennzeichnung bei Fleischspeisen in der Gastronomie –
insbesondere bei Gänse- und Geflügelfleisch, wo durch
mangelnde Deklaration dieser Tage fast flächendeckend eine Art
subtiler „Etikettenschwindel“ über die Bühne geht. Denn
wer erwartet hinter seinem Ganslbraten schon die Überreste einer
zu Tode geschundenen Stopflebergans?
Die TIERSCHUTZVEREINIGUNG
appelliert an die Mündigkeit der KonsumentInnen, sich nach der
Herkunft des Fleisches und der Haltungsform der Tiere zu erkundigen
und möchte in Erinnerung rufen, dass auch mit vegetarischen
Köstlichkeiten rundum kulinarisch gelungene Martini-Festtage ein
Leichtes sind.

